Corona ist ein heftiger Beschleuniger von Trends. Wer jetzt zu Beginn des neuen Jahres 2022 über neue Weichenstellungen nachdenkt, dem hilft ein Blick auf aktuelle Trendfelder und Wachstumsmärkte. So wurden wieder unter wissenschaftlicher Unterstützung des Teams von Professor Dr. Arnold Weissman nationale und internationale Fachartikel und Expertisen, Marktanalysen und Unternehmens- sowie Aktienentwicklungen ausgewertet und bewertet. Die Deutsche Wirtschaft (DDW) ermittelte die Trendfelder und Wachstumsmärkte, die die Zukunft prägen.

„Die Trends sind überzeugend. Für die Unternehmen der DACH-Region bestehen riesige Chancen. Um diese aber auch wahrnehmen zu können, bedarf es vor allem Umstellungen im Denken. Alte Gewohnheiten, z.B. möglichst viel an möglichst kostengünstige Standorte zu geben, stehen im Weg. Kritisch wird das notwendige neue Know-how der Mitarbeitenden und letztlich auch die zeitliche Kapazität im Management, all die neuen Themen neben dem laufenden Tagesgeschäft vorantreiben zu können. Somit wird die Fähigkeit zur raschen Umsetzung 2022 zum kritischen Erfolgsfaktor werden.“

Dr. Harald Schönfeld, Januar 2022

„Unternehmen haben in den neuen Feldern große Chancen.“

Digitalisierungsexperte und Investor Frank Thelen, anlässlich der Verleihung der Preises „Innovator des Jahres“ von DDW.
Innovator des Jahres: So reagiert Frank Thelen | Was Deutschland jetzt braucht – YouTube

1. Nearshoring / Reshoring: Engpässe in den Lieferketten führen zu mehr Nachhaltigkeit!

Vor Corona waren in den westlichen Ländern Europas leere Regalflächen und Lieferengpässe kaum vorstellbar. Doch die globalen Lieferketten – Arbeitsfeld smarter Supply Chain Manager und Kostenoptimierer – haben sich als anfällig und riskant erwiesen. Aktuell wird zunehmend das Thema der Nachhaltigkeit einbezogen werden – und es wird sogar gesetzlich eingefordert. „Nearshoring“ rückt somit ins Blickfeld. Es beschreibt den Prozess der Auslagerung von Geschäftsaktivitäten an geografisch nahe gelegene Standorte. Für viele Unternehmen ist es nun von grösster Bedeutung, ihre Offshoring-Destinationen so zu wählen, dass die Kosteneffizienz gewährleistet und gleichzeitig die Arbeitsabläufe über die Grenzen hinweg sichergestellt werden. Dazu gehört, eine ganze Palette von Faktoren einzubeziehen: Arbeitsmarktfaktoren, Wirtschaftsfaktoren, institutionelle Faktoren, Standortfaktoren und soziale Faktoren. Mehr Details: https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/imi/competence-centers-teams/center-for-emea-business/business-in-europe/nearshoring/

Die Tendenz zur Rückholung von Produktionskapazitäten wurde in der Marktanalyse als „Reshoring“ begrifflich hinzugenommen. Relevant ist dieser Trend quer durch alle Branchen – von der produzierenden Industrie bis hin zu IT-Dienstleistungen. Aber selbst in vormals klassischen „Auslagerungsindustrien“, wie der Textilbranche, ist die Rückverlagerung von Produktion bereits festzustellen.

2. Direct-to-Consumer: Digitale Kundendaten sind das neue Gold!

Das neue Buzz-Word lautet 2022: „Direct to Consumer (D2C)“. Nach weitgehender Akzeptanz des Online-Shoppings ist die digitale Welt spätestens durch den digitalen Impfausweis, der aktuell auf dem allseits präsenten Smartphone an vielen Stellen des Lebens vorgezeigt werden muss, nun auch bei „normalen Konsumenten“ angekommen.

Den meisten Unternehmen erleichtern es digitale Kommunikationstechnologien, die Endkunden auf direktem Wege zu erreichen. So kann die Abhängigkeit von Intermediären, wie von grossen Plattformen oder dem Handel, reduziert oder ganz umgangen werden. Vorteile sind: Höhere Margen, ein selbst gestalteter Markenauftritt sowie Zugriff auf Kundendaten. Somit ist ein verstärkter Aufbau eigener Vertriebskanäle zu Konsumenten festzustellen. Für viele Unternehmen hat dies allerdings auch eine Umstellung der Logistik und den Ausbau der IT-Infrastruktur zur Folge. Hinzu kommt die Notwendigkeit des weiteren Aufbaus von Vertriebsautomation und Onlinemarketing. So können Unternehmen ihre Zielgruppen noch individueller ansprechen, noch detailliertere Kenntnisse und Einblicke in ihr Konsumverhalten erhalten – und das eigene Angebot zielgenau an den Anforderungen der Kundschaft ausrichten. Aktuell gilt zudem eine starke Markenbildung als einer der größten Vorteile, die der direkte Absatz mit sich bringt. Die Beherrschung des Themas der „Kundendaten“ ist dabei der Schlüssel zu Optimierung und Erfolg.

Die Vorteile des Direktvertriebes fasst die folgende Tabelle zusammen (Quelle: Wyrzykowski, K. (2021): D2C – Direktvertrieb als Schlüssel für erfolgreiche Marken im E-Commerce)

3. Kooperationen: Zusammenarbeit statt Wettbewerb!

Kooperationen und Partnerschaften gelten als wichtige Erfolgsfaktoren in der digitalen Transformation und bei der Realisierung von digitalen Geschäftsmodellen. Kein Wunder: Die Wertschöpfungskette vieler komplexer Technologien ist kaum noch noch in einer singulären Unternehmung abzubilden.

Kooperative Geschäftsmodelle können in den verschiedensten Formen auftreten, weshalb sie gerne unter dem Begriff „Coopetition“ gesammelt werden: Kooperation und Competition (Wettbewerb). Dabei müssen sich Kooperation und Wettbewerb nicht gegenseitig ausschließen. In der Praxis zeigen sich „Co-Creation-Networks“, Unternehmensverbünde und -gemeinschaften, die beispielsweise den Einkauf oder das gemeinsame Marketing bündeln um Verhandlungsmacht zu gewinnen und Synergien zu schaffen. Und im Vertrieb sind z.B. Joint-Ventures eine Lösung, den schnellen Markteintritt von Innovationen zu ermöglichen.

Zusammenfassend zeichnen sich folgende Grundprinzipien für ein erfolgreiches kooperatives Geschäftsmodell ab (Grames et al. 2012/Duschek 2002): Zunächst ist der Kooperationswille und ähnliche Ziele aller Parteien eine Voraussetzung für den Erfolg einer Kooperation. Dazu gehört auch der Aufbau informeller Beziehungen zwischen den Individuen, die die jeweiligen Unternehmen vertreten. Zudem muss eine „kritische Masse“ sowohl in der Quantität der Partner als auch bei der Qualität des Endproduktes gewährleistet sein und je nach Größe des gemeinsamen Projektes ist ein gemeinsames Management speziell für die Kooperation notwendig. Die Durchgängigkeit von IT-Systemen bzw. -Schnittstellen wird zudem immer entscheidender für eine effiziente Kooperation (Grames et al. 2012). Damit es funktioniert ist also ein ganzes Bündel an „fachübergreifender“ Zusammenarbeit nochwendig. Vor allem das Führungspersonal wird immer mehr diese Seite des Marktauftritts (und einer smarten Differenzierung von Marktbegleitern) beherrschen und verkörpern müssen. Mehr Details: Leitfaden-Kooperative-Geschäftsmodelle-Theorie-und-Praxis-final.pdf (itwirtschaft.de)

4. Hochgeschwindigkeits-IT-Infrastruktur: Wesentlich für die Wertschöpfungskette!

Die meisten Beschäftigten haben in Corona-Zeiten geradezu im Eilzugstempo die Vorzüge und Dringlichkeit von mobilen Arbeitsstrukturen kennen gelernt. Viele haben dabei jedoch nur das Arbeiten mit modernen Kommunikations- und Kollaberationstools vor Augen. Dabei ist die IT-Infrastruktur mit leistungsstarken Servern, effizienten Backupstrukturen und verlässlichen Sicherheitslösungen im Hintergrund nur ein Aspekt. Die digitale Vernetzung ganzer Wertschöpfungsketten erreicht jetzt jedoch eine neue Stufe. Deren Bestandteile wurden in der o.g. Studie zu dem Hauptpunkt „Hochgeschwindigkeits-IT-Infrastruktur“ zusammengefasst. Dazu zählt das bisherige Hauptfeld „5G“ ebenso wie die immer wichtiger werdenden Satelliten- und Glasfasertechnologien und das Feld des Quantencomputings. Vielfältige Bereiche und Zuliefererfelder der gesamten Wertschöpfungskette kommen hinzu: Die gesamten Leistungen der IT-Infrastruktur, wie sie bislang dem Bereich Cloud-Solutions / Software / Platform as a service zugeordnet waren. Mit dem Trend hin zu neuen Pricing-Modellen wie Pay-per-Use, werden auch diese digitalen Geschäftsmodelle in Zukunft an Relevanz gewinnen.

5. Big Data / Data-Monetarization / Data-Mining: „How to do business“ wird neu definiert!

Die richtige Sammlung und Auswertung von Daten gewinnt für viele Unternehmen -nicht nur im Marketing und Vertrieb in Hinblick auf Kunden – an Bedeutung. Alle Bereiche, angefangen bei der Produktentwicklung, profitieren davon und werden einbezogen. Auf der produktionstechnischen Seite bestehen die Schnittstellen zum Trendfeld „IoT / IoS / IoE“. Im Grunde wird alles miteinander verknüpft – das komplette Geschäftsmodell ist betroffen. Die Analyse von McKinsey mit der Kernaussage „Data and analytics are changing the way business is done“ hat sich durchgesetzt. Das bisherige Segment Data-Monetarization wurde daher in der Studie um die Felder Big Data und Data-Mining erweitert. Neben konkreten Dienstleistungs- und Softwareangeboten handelt es sich um eine neue zentrale Querschnittstechnologie, die nahezu alle Branchen betrifft und wachsen wird.

6. Bio-Hacking: Selbstoptimierung für die Vielen, die es sich leisten können!

Sich besser fühlen, geistig und körperlich: Das wünschen sich viele Menschen, vor allem in den reichen westlichen Industrieländern. Biohacking, auch als „Selbstoptimierung“ bezeichnet, soll den Weg dorthin ebnen. Corona hat vielen Menschen die Bedeutung der Gesundheit und die damit verbundenen Risiken drastisch vor Augen geführt. Sie wollen wissen, an welchen Rädchen sie drehen können, um Ihre Gesundheit zu optimieren – und viele tun dies auch und lassen es sich kosten! Zusammen mit dem Thema der „Optimierung der Leistungsfähigkeit“ rückt dieser Bereich daher immer mehr in den Fokus vieler Geschäftsmodelle. So ziehen Technologien und Verfahren der Optimierung der menschlichen Leistungsfähigkeit und der Verlangsamung des Alterungsprozesses immer mehr Alltag vieler Konsumenten ein. Folgerichtig laufen hier bereits milliardenschwere Investitionen. Zitat: „The biohacking sector is thriving thanks to ample support from Silicon Valley moguls including Amazon Inc.’s (NASDAQ:AMZN) CEO Jeff Bezos, Oracle Inc.’s (NASDAQ:ORCL) Larry Ellison, Google Inc.’s (NASDAQ:GOOGL) co-founder Sergey Brin, and PayPal Inc. (NASDAQ:PYPL) co-founder Peter Thiel.